IPICAPE - Manifest

Spanien heute. Spanien - kulturelle Drehscheibe zu Lateinamerika

von Gorgonio Ruedas

Der nachstehende Text wurde vom Autor, dem Gründungsvorsitzenden des IPICAPE, als Festvortrag zur Eröffnung der "Deutsch-Spanischen Begegnung" in Quickborn am 5. Juni 1986 gehalten. Er ist in vielen Punkten auch heute noch aktuell und stellt in gewissem Sinne das Manifest des IPICAPE dar. Die vorliegende Fassung ist gegenüber dem Original geringfügig redigiert und an die neue deutsche Rechtschreibung angepasst worden.

Unter dem Titel dieses Vortrages, "Spanien - kulturelle Drehscheibe zu Lateinamerika", lässt sich ein breites Spektrum von kulturbezogenen Themen unterbringen. Ich will daher zunächst den Rahmen etwas abstecken, in welchem ich meine Überlegungen darlegen möchte.

Die kulturellen Beziehungen, die zwischen Spanien und Lateinamerika in der Vergangenheit bestanden, vor allem in der Kolonialzeit Spaniens, sollen nur am Rande angesprochen werden und nur soweit, wie sie zum Verständnis des heutigen Verhältnisses zwischen Spanien und seinen ehemaligen Kolonien beitragen können. Ansonsten ist es meine Absicht, besonders auf die Chancen hinzuweisen, die sich aus einer Zusammenarbeit zwischen Europa und Lateinamerika ergeben und vorhandene Möglichkeiten oder ausbaufähige Voraussetzungen hervorzuheben.

Die Wahl des Wortes Drehscheibe ist sehr absichtlich gewesen. Denn wenn von kulturellen Beziehungen zwischen Europa und Lateinamerika die Rede ist, ist sehr oft nur eine einseitige kulturelle oder zivilisatorische Leistung Europas gemeint, der nur eine Empfängerrolle seitens Lateinamerika gegenübersteht. Eine kulturelle Ausstrahlung von Lateinamerika in Richtung Europa ist bis jetzt eine ziemlich akademische Frage geblieben. Lateinamerika wird höchstens ein beginnendes, noch nicht deutlich definiertes kulturelles Bewusstsein zugestanden; wir haben sogar den Anspruch erhoben, die ureigenen präkolumbianischen Zivilisationen Lateinamerikas entdeckt zu haben und haben uns angemaßt, deren kulturellen Stellenwert festzusetzen. Erst jetzt, in den letzten Jahrzehnten, beginnt diese Einstellung bei einer breiteren Öffentlichkeit kritischer und differenzierter zu werden.

Das Umdenken fällt ziemlich genau mit den Jahren unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg zusammen. Es war möglicherweise der wirtschaftliche Zusammenbruch Europas und der Verlust der kolonialen Imperien seitens Großbritanniens und Frankreichs und die Übernahme der politischen Führung im Westen durch die USA und im Osten durch die UdSSR, der die Europäer für diese neue Einsicht zugänglich machte. Ausnahmen hiervon sind nur Spanien und Portugal.

Die Akzeptanz einer lateinamerikanischen Kultur ist in Spanien und Portugal aus historischen Gründen ganz anders geartet als sonst in Europa und hat in Spanien aus geographischen und wirtschaftlichen Gründen eine besondere Stellung eingenommen. Die lateinamerikanische Literatur, der lateinamerikanische Film, das Theater, die Zeitungen und Zeitschriften, die Musik aus Lateinamerika sind in Spanien populär, bekannt und selbstverständlich. Sie sind ein Teil der Kultur Spaniens. Spanien ist für lateinamerikanische Autoren und Künstler Synonym für zuhause. Umgekehrt war Lateinamerika Zuflucht und neue Heimat für die spanischen Intellektuellen und Künstler vor allem während des Bürgerkrieges und in den Jahren bis zum Tode Francos.

Dieser kulturelle Fluss in beide Richtungen bleibt bis jetzt leider noch auf das Europa jenseits der Pyrenäen beschränkt; die Bereitschaft seitens des übrigen Europas, eine ähnliche Wechselbeziehung zu pflegen, ist gering. Der starke Einfluss der USA in politischen und wirtschaftlichen Bereichen hat auch zu einer kulturellen Monopolstellung geführt, in der eine andere Kulturerscheinung nur mühsam gedeihen kann. Dies trifft in besonderem Maße für Deutschland zu. Der Grund muss in der jüngsten Geschichte Europas gesucht werden.

Als England und Frankreich ihre politische Macht über ihre Kolonien verloren, versuchten sie, wenigstens die kulturellen Bindungen zu ihnen soweit wie möglich aufrechtzuerhalten. Die Franzosen bauten die Französische Gemeinschaft, die Communauté Française, auf, die Briten das Britische Commonwealth. Die jeweils gemeinsame Sprache half ihnen bei der Verfestigung und dem Aufbau dieser Konstruktionen. Auf die Bedeutung der Sprache als verbindendes Instrument möchte ich jetzt nur kurz hinweisen, später komme ich noch darauf zurück.

Somit entwickelten diese beiden Nationen eine wirtschaftliche und kulturelle Wechselbeziehung zu ihren ehemaligen Kolonien, die sich durch ein offeneres, aber charakteristischeres Verhältnis zur Dritten Welt auszeichnet. Die Ausrichtung Englands und Frankreichs auf ihre jeweiligen Kolonien erklärt auf der einen Seite ihre Gleichgültigkeit oder ihren Mangel an Interesse gegenüber Lateinamerika. Gleichzeitig aber lässt diese einseitige lnteressenfestlegung beider Nationen eine einmalige Chance für die anderen Länder Europas erkennen, sich ohne die Konkurrenz der ehemaligen Kolonialmächte Lateinamerika zuzuwenden.

In der Gruppe der europäischen Länder, für die Lateinamerika ein natürlicher Partner ist, nimmt Deutschland aufgrund seiner wirtschaftlichen Stärke und seines Prestiges einen ersten Platz ein. Deutschland, das niemals eine Kolonialmacht vom Rang Großbritanniens, Frankreichs oder Spaniens gewesen ist, entwickelt nach dem 2. Weltkrieg ein neues Profil und profitiert dabei praktisch ungewollt von seiner kulturellen Vergangenheit, die vor allem in Spanien und Lateinamerika von einem Nimbus der Bewunderung begleitet wird.

Die politischen Irrungen der Hitlerzeit sind in diesen Ländern erst nach dem Krieg bewusst geworden und nur in einer geschichtlichen, "bewältigten" Form präsent. Geblieben ist nur das Bild eines Landes, das nach der totalen Niederlage wirtschaftlich und kulturpolitisch den hervorragendsten Platz in Europa hat.

In Lateinamerika sind die anderen Nationen Europas mit Ausnahme Spaniens aus den oben genannten Gründen verblasst oder mit dem Odium einer kolonialistischen Gesinnung behaftet. Italien, von dem man wegen seiner geschickten Auswanderungspolitik einen gewissen Vorrang vermuten konnte, hat sich in Lateinamerika kein prägendes Image aufbauen können. Ich möchte nochmals die Bedeutung der kulturellen Tradition Deutschlands betonen als Erklärung für dessen große Akzeptanz in Lateinamerika. Japan z.B., das wirtschaftlich noch erfolgreicher und potenter als Deutschland ist, wird dort als eine exotische Macht angesehen, mit der man kulturell nichts anzufangen weiss.

Diese rasche Tour d'horizon erlaubt uns folgende Einschätzung eines Ist-Zustandes in Bezug auf Europa und Lateinamerika:
Lateinamerika, d.h. das riesige Gebiet südlich der USA und Kanada mit einer Bevölkerung von über 500 Mio. Einwohnern, soviel wie Westeuropa, das seine politische Unabhängigkeit im vorigen Jahrhundert erlangte, versucht seine kulturelle Identität anerkannt zu bekommen und findet als natürliche Instanz hierfür den alten Kontinent. Gleichzeitig bemüht sich Lateinamerika, sich des wirtschaftlichen Zugriffs der USA zu erwehren und betrachtet Europa als rettende Alternative.

Spanien, das nach dem 2. Weltkrieg in eine politische Isolierung geriet, hat vor allem nach dem Tod Francos eine erstaunlich fortschrittliche Entwicklung vollzogen und ist selbstverständliche Heimat für Künstler und Intellektuelle aus Lateinamerika geworden, die in ihren Ländern verfolgt oder an ihrem Wirken gehindert waren oder sind. Sie bleiben mit Spanien verbunden, auch wenn sich die politische Lage in ihren Ländern normalisiert, und tragen dorthin das demokratische Verständnis Spaniens. Spanien selbst betreibt eine Politik der menschlichen Zusammenarbeit mit Lateinamerika, die sich frei von Spannungen und Misstrauen entwickelt. Der Austausch von verwaltungstechnischen Erfahrungen aufgrund der gemeinsamen Sprache ist hervorragend; dazu kommt ein Überfluss an Fachkräften, die vom spanischen Arbeitsmarkt schwer aufgenommen werden können und welche mit Hilfe von Verträgen nach Lateinamerika übersiedeln. Vor kurzem ist mit Uruguay ein Abkommen über die Auswanderung von 200.000 Spaniern unterzeichnet worden (Uruguay hat etwa 3 Mio. Einwohner).

Ich möchte hier einen kurzen Kommentar einfügen: Für diese Auswanderer muss ein besonderer Name gefunden werden. Es sind keine Siedler, keine Pioniere mehr auf der Suche nach Gold oder raschem Geld. Es sind Leute, die ihre Lebensformen mitnehmen; Leute, die ihre Kultur, ihre Sitten nicht aufgeben. Es sind Leute, die Europa oft besuchen, deren Kinder nach Europa zurückkehren, zum Studieren, geschäftlich oder in irgendwelcher Form noch einmal hierher zurückkommen. Sie bedingen einen regen Austausch von menschlichen Kontakten. Es bildet sich ein Bedarf an geistigen Werkzeugen, um diese Wechselbeziehungen zu gestalten. Dieses gesellschaftliche Spannungsfeld wird nicht von der Wirtschaft oder von der Politik, sondern von kulturellen Formen getragen.

Spanien steht heute im Mittelpunkt dieses Geschehens. Es kann aber aus wirtschaftlichen Gründen diese Aufgaben nicht allein bewältigen und will, vielleicht aus historischen Erwägungen, die Verantwortung mit anderen tragen. Wir sahen vorher, dass Großbritannien und Frankreich ihre kulturelle Ausstrahlung in Richtung ihrer ehemaligen Kolonien lenken. Es kommt daher den anderen Ländern Europas die Aufgabe zu, die kulturellen Bindungen zu Lateinamerika zu pflegen, mitzugestalten.

Es handelt sich hierbei um eine Aufgabe, deren Verwirklichung eine sehr aktive Bereitschaft verlangt, u.a. deswegen, weil Europa vor allem nach dem 2. Weltkrieg wie vorher angedeutet eine besondere kulturelle Orientierung eingenommen hat, oder besser gesagt, weil es sich kulturell so hat belegen lassen, dass neue Kulturerscheinungen heute kaum noch Platz auf seiner täglichen Bedarfs- und Angebotstafel finden.

Man kann ohne Übertreibung behaupten, dass alle relevanten Kulturvermittler Europas einen starken nordamerikanischen Einfluss aufweisen. Film, Musik, Theater, Berufseinstellung, wissenschaftliche Wertungen in der Universität, Unterrichtsmodelle in den Schulen und eine lange Reihe von weiteren Kategorien stehen im Zeichen der USA.

Die Frage, die uns jedoch heute Abend hier beschäftigen soll, lautet: Wie kann trotz dieser kulturellen Sperre die notwendige Zuwendung Europas zu Lateinamerika hergestellt oder mindestens angebahnt werden? Hier müssen wir uns aufrichtig fragen, ob wir bereit sind, unser etabliertes Kulturleben zu ändern, und wenn ja, wie wir es machen wollen.

Bis jetzt haben wir über die historische Zweckmäßigkeit der kulturellen Zusammenarbeit Europas mit Lateinamerika gesprochen, wir haben eine gewisse Zwangsläufigkeit aus der geschichtlichen Entwicklung abgeleitet, wir haben sogar eine gewisse günstigere Ausgangssituation einiger Länder Europas gegenüber Frankreich und Großbritannien vorausgesetzt, weil sich diese Länder an erster Stelle ihren Kolonien zuwenden und daher Lateinamerika nicht direkt berücksichtigen können. Aber wir haben in allen diesen Betrachtungen über die Zusammenarbeit Europas mit Lateinamerika ein sehr wichtiges Element nicht hervorgehoben, das ich jetzt zum Abschluss besonders würdigen möchte: die Sprache, die spanische Sprache. Vorher wurde ein kurzer Hinweis auf die Bedeutung der Sprache bei der Gestaltung der Beziehungen zwischen Frankreich und Großbritannien und derer jeweiligen Kolonien gegeben. Die Sprache ist das hervorragendste Medium zur Herstellung jedes kulturellen Austausches und muss an die erste Stelle jeder Verständigungsstrategie gerückt werden.

Für die Deutschen, denen eine sehr wichtige Rolle in der Gestaltung der Zusammenarbeit zwischen Europa und Lateinamerika zukommen soll, ist es eine interessante Herausforderung, Spanisch als die überwiegende Sprache zu akzeptieren. Ich möchte hier nicht als Jakobiner meiner Muttersprache erscheinen; Sie sehen, wie ich mich bemühe, Deutsch zu sprechen. Aber die Verständigungsschlacht wird sich prinzipiell in spanischsprachigen Ländern abspielen.

Die Bedeutung, die der spanischen Sprache zukommt, ist noch nicht ganz in das Bewusstsein Europas eingedrungen. Zweifellos sind alle Sprachen der Europäischen Gemeinschaft gleichwertig, aber nicht alle sind gleich wichtig. Englisch, Spanisch, Französisch, und zwar in dieser Reihenfolge, werden sich als unentbehrlich herausstellen. Meine Worte heute Abend sollen ein Plädoyer dafür sein, dass in Deutschland die spanische Sprache verstärkt unterrichtet und gelernt wird.

Ich sagte vorher, dass in Deutschland eine deutliche kulturelle Festlegung besteht und sich sehr schwer freie Räume für neue Interessen herstellen lassen. Daher bedeutet eine konsequente Berücksichtigung der Zusammenhänge, die ich vorher vorgetragen habe, eine Revision bisheriger Gesichtspunkte bei den bildungspolitischen Instanzen. Bei der Gestaltung von Unterrichtsplänen in den Schulen müssen neue Prioritäten geschaffen werden, und Spanisch muss als 2. Fremdsprache ernsthaft in die Diskussion eingeführt werden. Entsprechend dieser neuen Einsicht müssen in der Erwachsenenbildung Spanischkurse verstärkt angeboten werden. Ähnliches gilt für das Freistellen von Sendezeit für Spanisch im Schulfunk und im Fernsehen. Auch in diesem Rahmen muss dem Angebot an Filmen aus dem spanischsprechenden Raum mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Ich halte die Schaffung von Austauschstipendien für Künstler für eine unentbehrliche Investition in die Zukunft. 20 Künstler aus Lateinamerika, junge Maler, Musiker, Schriftsteller, Bildhauer, denen in Europa ein Bildungsaufenthalt ermöglicht wird, sind ein besonders wirkungsvoller Austauschmultiplikator für kulturelle Strömungen.

Vor einiger Zeit las ich in der Autobiographie von Pablo Neruda, welche Mühe es ihn gekostet hatte, in seinen Anfangsjahren nach Europa zu kommen. Als es ihm 1954 gelang, können wir aus seinen Worten am besten sehen, mit welcher Intensität die Kontakte mit anderen Künstlern sprudelten: "In Madrid angekommen", schreibt er, "lernte ich alle Freunde García Lorcas und Albertis kennen. Nach kurzer Zeit war ich einer mehr unter den spanischen Poeten".

Die Liste der Künstler, die er in knappen zwei Jahren kennenlernte, mit denen er sprach, liest sich wie eine Anthologie der Literatur Europas im ersten Drittel dieses Jahrhunderts.

Ich darf jetzt einen großen Sprung von 1934 nach heute machen und versuchen, bei Ihnen einen assoziativen Zusammenhang zur Gegenwart herzustellen:

Vor kurzem las ich, dass Ministerpräsident Dr. Barschel bei seiner jüngsten Chinareise mit der Provinz Zhejiang ein Partnerschaftsabkommen über wirtschaftliche, technologische und kulturelle Zusammenarbeit abgeschlossen hat. Unter anderem sieht die Vereinbarung vor, dass in den nächsten Jahren 100 junge chinesische Stipendiaten in Schleswig-Holstein zur Ausbildung aufgenommen werden. Weiterhin will Schleswig-Holstein in der Stadt Wenzhou im Süden der Provinz Consulting-Dienste bei der Modernisierung ihres Verkehrsnetzes zur Verfügung stellen. Dieses Abkommen ist das sechste Freundschaftsabkommen, das die Bundesrepublik mit China unterschreibt.

Das alles ist eine sehr schöne Sache und ein Beispiel dafür, wie man es machen kann. Wenn nur 90 Stipendien nach China gegangen wären und die 10 übrigen für Lateinamerika zur Verfügung stünden, wüsste ich ohne Schwierigkeiten zehn geeignete Kandidaten dafür zu finden.

In diesem Zusammenhang erlauben Sie mir, von einer kürzlich gemachten Erfahrung zu erzählen, die ich selbst hier in Hamburg gemacht habe. Auf Einladung Schwedens und der Niederlande ist eine Kommission, gebildet aus den Präsidenten einiger Universitäten in El Salvador, Nicaragua, Costa Rica und Ecuador, in Europa gewesen. Sie wollten zusammen mit Europäern ein Kulturfestival in Costa Rica organisieren. Das Festival wird jetzt aus Anlass der Ermordung des schwedischen Ministerpräsidenten unter dem Motto "Der Friede in der Welt beginnt in Mittelamerika. In memoriam Olof Palme" stehen. Eines der dringendsten Anliegen der Kommission war die Suche nach Möglichkeiten zur Zusammenarbeit der Universitäten Mittelamerikas mit Europa.

Sie betonten die Engpässe, die nicht nur wegen der knappen finanziellen Mittel entstehen, sondern auch dadurch, dass kein qualifiziertes Lehrpersonal ausgebildet werden kann. Sie beklagten sich darüber, dass die Bundesrepublik sich unverständlich zurückhaltend zeigte. Sie machten diese Haltung mit folgenden Zahlen deutlich: Kuba stellt für die Ausbildung von Fachleuten 1000 Stipendien zur Verfügung, Ungarn 500, Westdeutschland 1. Sie fragten: Sollen wir die Stipendien Kubas und Ungarns ablehnen?

Man muss hieraus schliessen, dass wir unserer geschichtlichen Verantwortung nicht immer gewachsen sind.

Ich möchte meinen Vortrag jedoch mit einem optimistischeren Bild abschließen. Vor etwa zwei Wochen erfuhr ich, dass die Stadt Pohlheim bei Gießen eine Städtepartnerschaft mit der Gemeinde Tupac Amaru bei Lima in Peru eingehen wird. Es soll ein wechselseitiger Informationsfluss entstehen, damit die Bewohner beider Gemeinden die Lebenswelt der Partner kennen und verstehen lernen. Tupac Amaru (55.000 Einwohner) besitzt zwei Grundschulen, eine weiterführende Schule, zwei Kindergärten und zwölf Sportklubs. Das Partnerschaftsprogramm sieht u.a. einen regen Austausch von Informationen zwischen den Schulen, den Stadtverwaltungen, den Sportvereinen und den Ärzten vor. Die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit in Gießen hat sich bereit erklärt, die Partnerschaft zu unterstützen.

Noch eine weitere erfreuliche Nachricht, die, wie mir scheint, Ausdruck der neuen Wertigkeit Spaniens und Lateinamerikas im Bewusstsein Deutschlands ist. Zwischen dem 15. Oktober und dem 10. November dieses Jahres werden in Hamburg vier Iberoamerikanische Wochen gefeiert. Dort wird ein sehr vielschichtiges Programm an Ausstellungen, Lesungen, Konzerten, Wirtschaftstreffen, wissenschaftlichen Vorträgen und Sportveranstaltungen stattfinden.

Ich hoffe, dass auch dieses Ereignis ein fruchtbarer Beginn von vielen weiteren Kontakten zwischen Spanien, Lateinamerika und Deutschland sein wird.


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Letzte Änderung: 4. Januar 2013

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